Mein Klavierunterricht orientiert sich an der Idee einer ganzheitlichen Benutzung der Sinnesorgane und des Körpers. Die ersten Unterrichtsstunden beinhalten hauptsächlich das Spielen nach Gehör und Transponierung. Damit fördert man auch die Benutzung der rechten Hirnhälfte, die auf das Ganzheitliche und Räumliche spezialisiert ist.
Das Erlernen von Noten ist auch wichtig, die Methode wäre dann aber eine ganzheitliche. Dieses gilt besonders für die ersten Unterrichtsstunden, in denen die Noten als Muster und Bilder gelesen werden.
Es ist wichtig den Schülern gute Übungsgewohnheiten beizubringen. Für Kinder ist es häufig einfacher, ganz in dem Spiel total zu versinken, als für Erwachsenen. Aber diese totale Konzentration durch Einsatz aller Sinne ist eine sehr gute Übungsart, die man auch als Erwachsener erlernen kann. Es geht darum, nicht nur analytisch die Noten zu betrachten, sondern sich auch die Musik vorzustellen, zu singen und wirklich bis in die Fingerspitzen des eignen Körpers zu spüren.
Die Geschichte des Übens zeigt meiner Meinung nach leider einen Weg weg von dieser Art des Übens und des Spiels. Die alten Komponisten haben sicherlich gut geübt, aber dieses Üben war wahrscheinlich mehr wie ein Ausprobieren von Ideen und ein Komponieren. Heute bedeutet Üben eine passive Wiederholung, um die Technik zu perfektionieren - wogegen es eigentlich nichts einzuwenden gäbe, hätte man nicht vergessen, vollständig in seinem Verhältnis zum Instrument und zur Musik zu sein. Ein moderner Begriff, der dieses Sein in der Musik vielleicht beschreiben kann, ist "Flow".